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In Dalborn geht es beschaulich und ruhig zu

Viele Jahre lang war der Blomberger Ortsteil Dalborn im gesamten Kreis Lippe vor allem durch den Alten Jäger bekannt. In der urigen Gaststätte servierten Karl und Gerda Eydt Wildgerichte der Extraklasse. Diese Zeiten gehören aber der Vergangenheit an. Mittlerweile hat Biolandwirt Ulf Allhoff-Cramer das Lokal gekauft und als Dorfgemeinschafts-Kulturkneipe neu eröffnet.

Abgesehen von den gelegentlichen Veranstaltungen geht es am äußersten westlichen Rand der Großgemeinde Blomberg beschaulich und ruhig zu. Nur rund 85 Einwohner gibt es circa zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt. Aber: Ortsvorsteherin Stefanie Beermann, die das Amt seit 2020 innehat, unterstreicht, dass Dalborn einiges zu bieten habe: „Wir haben eine Tischler- und Zimmerei, Praxen für Naturheilkunde und psychologische Beratung, ein Atelier für Grafikdesign, einen Laden für Babybedarf und einen Verkaufswagen für Fish and Chips.“

Ansonsten werden unweit der Ostwestfalenstraße Aspekte wie Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn und Nachbarschaft großgeschrieben. „Die Dorfgemeinschaft ist wirklich sehr familiär, das finde ich toll“, sagt die gebürtige Dalbornerin und spricht von entsprechendem Interesse: „Wir haben hier keinen Hausleerstand. Tatsächlich ist es eher so, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Für Familien, die gerne ruhig und dörflich leben möchten, ist es hier perfekt.“

Zwei Aspekte, die eine gewisse Strahlkraft haben und für Menschen von außerhalb interessant sind, gibt es trotzdem. So locke beispielsweise der angesprochene Laden für Babybedarf regelmäßig Mütter und junge Familien an. Betreiber sind Jutta und Wolfgang Twete, die vor einigen Jahren die Idee hatten, ein Geschäft mit Naturwaren rund ums Baby zu eröffnen.

Außerdem existiert seit 2010 die Lebensgemeinschaft Dalborn. Das sind zwölf Erwachsene und zwei Kinder, die sich als Genossenschaft organisiert und auf zwei erworbenen Höfen niedergelassen haben. Die Gemeinschaft wohnt nicht nur zusammen, sondern betreibt auch die Solidarische Landwirtschaft Dalborn, die rund 80 Mitglieder hat. Zum eigenen Projekt heißt es auf der Internetseite der Solidarischen Landwirtschaft: „Wir führen die Erzeugung und Verteilung von Lebensmitteln wieder in die Hände von Gärtnern und Verbrauchern zurück – auf gemeinschaftlicher und solidarischer Basis. Dies ist eine sinnvolle Möglichkeit, frische und gesunde, nach ökologischen Kriterien angebaute Nahrungsmittel zu bekommen sowie kleinen, bäuerlichen Betrieben wieder eine Zukunft zu geben.“

Eine Kirche, einen Kindergarten oder eine Schule gibt es im kleinen Dorf aber nicht. Die Kinder zieht es deshalb zum Unterricht nach Großenmarpe zur dortigen Grundschule, die Erwachsenen zu Gottesdiensten nach Cappel oder, was das Vereinsleben anbetrifft, nach Donop, was Stefanie Beermann aber schön findet: „Unser Dorf ist überschaubar. Ich finde es wichtig, dass wir auch unter den Dörfern füreinander da sind. Außerdem leben wir nicht abgeschnitten, sondern können selbst entscheiden, ob wir Richtung Blomberg, Lemgo, Barntrup oder Detmold gehen.“

An Veranstaltungen fehlt es in Dalborn nicht. Ob es jeden Freitag der offene Dorfkneipenabend ist oder Unternehmungen vom Verein für lebendiges Miteinander: Die Dalborner kommen nicht zu kurz. „Vor ein paar Jahren ist eine Band in der Dorfkneipe aufgetreten, ihr Kommen hatten wir gar nicht bekannt gegeben. Dennoch war die Kneipe rappelvoll. Man muss aber dazu sagen, dass diese Veranstaltungen nur zustande kommen, weil sich viele Dorfbewohner ehrenamtlich engagieren“, so Beermann. Ohne das Ehrenamt wäre es ohnehin vermutlich deutlich stiller in Dalborn. „Ich bin froh, dass unsere Gemeinschaft so toll zusammenhält und wir verschiedene Aktivitäten im Dorf ermöglichen können“, bilanziert die Ortsvorsteherin.